Aktuelles von den Demokratiebegleiter:innen
Gemeinsam statt Ausgrenzung – Eindrücke vom Erwerbslosenparlament in Schwerin
Guido Heinemann stellte Demokratiebike und Studie vor – Vernetzung von Betroffenenperspektive, Wissenschaft und Praxis ist wichtig
Am 11. November 2025 fand im Schweriner Landtag das 26. Erwerbslosenparlament Mecklenburg-Vorpommern statt. Es stand unter dem Motto „Die Verteidigung der demokratischen Werte braucht soziale Sicherheit und Teilhabe“.
Guido Heinemann, Projektleiter Demokratie-Bike und Sprecher der IGELA (Interessengemeinschaft Langzeitarbeitsloser), nahm daran teil. „Besonders bewegt hat mich die Atmosphäre: solidarisch, offen, engagiert – getragen von Menschen, die sich gegenseitig stärken und für gesellschaftliche Teilhabe eintreten“, berichtet er. „Die Veranstaltung hat gezeigt, was möglich ist, wenn wir ernsthaft aufeinander hören und gemeinsam handeln.“
Heinemann stellte die Studie „Arbeit lohnt sich immer?! – Warum Langzeitarbeitslose trotz Fachkräftemangel selten in den Arbeitsmarkt eintreten“ vor (Sie finden sie hier). Sie wurde von der Neuen Arbeit Stuttgart in Kooperation mit dem EFAS (Evangelischer Fachverband für Arbeit und Soziale Integration e.V.) durchgeführt. Ziel war es, die Ursachen von Langzeitarbeitslosigkeit aus Sicht der Betroffenen selbst zu verstehen – nicht über sie zu reden, sondern mit ihnen zu forschen.
Dabei gab es diese zentralen Erkenntnisse:
- Langzeitarbeitslosigkeit ist kein individuelles Scheitern, sondern ein komplexes, sich selbst verstärkendes System aus strukturellen, psychischen und gesellschaftlichen Faktoren.
- Angst und Ambivalenz spielen eine große Rolle – viele wollen arbeiten, aber die Angst vor Versagen, Druck und Verlust von Sicherheit ist immens.
- Übergänge in Arbeit sind Hochrisikophasen, die individuelle Begleitung auf Augenhöhe erfordern – nicht Sanktionen, sondern Vertrauen und Coaching.
- Arbeit „lohnt sich“ dann, wenn sie Sinn, Sicherheit und Würde gibt.
Die Resonanz auf den Vortrag war durchweg positiv – viele Teilnehmende und Fachleute äußerten Interesse.
Bei der Tagung sprach auch Dr. André Knabe (Institut für Soziologie und Demographie der Universität Rostock). „Ich kann Ihnen aus meiner Praxis nichts von faulen Arbeitslosen erzählen. Die sind mir bisher nicht begegnet. Was ich Ihnen erzählen kann sind Geschichten von verzweifelten und vielleicht resignierten Arbeitslosen“, so Knabe im Hinblick auf die politische Diskussion.
Nach Ansicht von Heinemann werden viele der Themen und Vorschläge aus Schwerin in Baden-Württemberg bereits umgesetzt. „Die Veranstaltung hat dennoch sehr klar verdeutlicht, wie wertvoll der überregionale Austausch ist: um voneinander zu lernen, gelungene Praxis sichtbar zu machen und bestehende Programme weiterzuentwickeln.“ Gerade die Verbindung von wissenschaftlicher Erkenntnis, Praxiswissen und Betroffenenperspektive sei in Schwerin als zukunftsweisend wahrgenommen worden.
„Ich habe unzählige inspirierende Gespräche geführt, Menschen kennengelernt, die mit Mut, Empathie und Energie für soziale Gerechtigkeit eintreten“, so Heinemann. „Es hat sich wieder einmal gezeigt, wie wichtig Begegnung und Solidarität sind – und dass es Räume braucht, in denen Betroffene selbst sprechen, gestalten und gehört werden. Ich bin überzeugt: Nur wenn wir Menschen mit Armutserfahrung nicht als Objekte sozialer Ausgrenzung, sondern als Subjekte gesellschaftlicher Gestaltung begreifen, werden wir nachhaltige Veränderung erreichen.“
Mit dem Demokratie-Bike unterwegs
Wir Demokratiebegleiter:innen bieten kostenlose politische Bildung. Wir informieren über aktuelle politische und soziale Themen. Wir sprechen dabei vor allem Personen in prekären Lebenslagen an, die häufig nicht wählen gehen, etwa wohnungslose, obdachlose oder langzeitarbeitslose Menschen.
Dafür sind wir auch demnächst wieder mit dem Demokratie-Bike unterwegs. Die nächsten Termine sind:
Das Demokratie-Bike steht am 3., 10. und 17. Dezember von 12-15 Uhr an der St. Maria-Kirche in Stuttgart
Unterstützt durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Landesmitteln, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat.

